In ihrer zweiten gemeinsamen Ausstellung beschäftigen sich die Leipziger Künstler Leon Galli und Yannick Harter in ihren Arbeiten mit Fragen zum künstlerischen Potential neuer Medien und Technologien, deren Einfluss auf Leben und Gesellschaft und dem Verhältnis von Körper zu Maschine.
Das Konzept der Prometheischen Scham – die von dem Wunsch, selbst wie eine Maschine zu sein, erzeugte Scham des Menschen angesichts der eigenen Unterlegenheit gegenüber seinen technischen Schöpfungen – ist die Basis für Überlegungen zu Arbeits- und Produktionskreisläufen, zu modernen Arbeitsverhältnissen, zum Begriff Wertarbeit und wie sich dieser gegenwertig überhaupt definieren lässt. Welche Auswirkungen hat die Beschleunigung von Design- und Fertigungsprozessen, der verschwenderische Aufwand von Ressourcen, die Produktion von Big Data und dem Erzeugen von immer mehr Content auf unseren Arbeitsbegriff? In verschiedene Medien übersetzt, eröffnen die Künstler den Blick auf diese Fragen.
Für die Ausstellung im Bistro 21 kombinieren sie hypebeladene Alltagsgegenstände wie Selfie Sticks oder Staubsauger Roboter, mit bedrohlich wirkenden, skulpturalen Konstruktionen. Objekte, hergestellt durch teils hochtechnisierte Produktionsverfahren, deren Gebrauchswert nur spekuliert werden kann, treffen auf Flatscreens, welche collagierte Bildwelten zeigen, zusammengesetzt aus 3D Animationen, Found-Footage Material und Versatzstücken von Text. Dabei werden in differenzierter Weise Merkmale zeitgenössischer Produktion unter Aspekten einer Industrialisierung 4.0 untersucht und offengelegt.
Als interaktive Erweiterung der Ausstellung können die Besucher*innen über einen QR Code ein Augmented Reality Objekt abrufen – eine animierte digitale Skulptur, zusammengesetzt aus Fragmenten, die den Arbeiten von Galli und Harter entspringen. Nach dem Scannen des QR Codes öffnet sich im Browser des Smartphones eine App. Diese App aktiviert die Kamera und ruft die digitale Skulptur auf, die dann über den Screen in die Umgebung eingebettet wird.